Fremde Angst

 

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Druckkostenzuschuss – eine Frage des Markt- oder des Selbstwerts?

Fast überall, wo sich Mitglieder der schreibenden Zunft tummeln, wird vor den „Druckkostenzuschussverlagen“ (DKZV), auch „Pseudoverlag“ oder „Selbstzahlerverlag“ genannt, immer wieder und teils sehr eindringlich gewarnt.

Zum Beispiel hier (externer Link):  Montségur Autorenforum - Bekannte Zuschussverlage und Dienstleisterverlage

Was ist so schlimm daran, wenn man dafür bezahlt, dass das eigene Buch gedruckt wird?

Eigentlich nichts. Wenn ich für mich selbst, meine Familie und Freunde meine Autobiographie oder einen Fotoband per Book-on-demand (http://de.wikipedia.org/wiki/Book-on-Demand) drucken lassen will, dann ist das genauso wenig verwerflich wie die Nutzung eines Visitenkartenautomatens oder die Beauftragung eines Copy-Shops mit dem Druck selbst erdachter Sprüche auf T-Shirts und Tassen. Da nehme ich eine Dienstleistung in Anspruch und zahle dafür genauso wie bei einem Friseurbesuch.

Man darf dann nur nicht erwarten, irgendjemand außerhalb des eigenen Bekanntenkreises – abgesehen vielleicht von einem Dutzend Zufallstreffern – kaufe dieses Buch. Dann sind alle glücklich.

Schlimm ist aber, wenn man sich als „Agentur“ oder „Verlag“ bezeichnet und Autoren weismacht, ihr Manuskript – das man vermutlich keines Blickes gewürdigt hat – wolle man unbedingt drucken, nur leider... müsse man aus diesen oder jenen Gründen zur Kasse bitten, bevor das Buch veröffentlicht werden kann.

Der Spiegel berichtete bereits im Jahr 2000 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17219276.html), Peter J. Dobrovka findet sehr deutliche Worte (http://www.antholog.de/tipps10.shtml), Holger M. Pohl zieht Quervergleiche zu anderen Branchen (http://www.antholog.de/tipps4.shtml) und beim Literaturcafé ist das Thema ein Dauerbrenner (

http://www.literaturcafe.de/html/berichte/abzocke/oshtml/

http://www.literaturcafe.de/die-wichtigsten-tipps-eines-verlagslektors/

http://www.literaturcafe.de/vito-von-eichborn-greift-ein/

http://www.literaturcafe.de/so-erkennen-sie-dubiose-literaturagenten-und-literaturagenturen/

http://www.literaturcafe.de/welche-verlage-und-literaturagenten-wir-empfehlen/#comment-7895

http://www.literaturcafe.de/zuschussverlage-und-naivitaet/

http://www.literaturcafe.de/erfahrungsbericht-von-der-idee-zum-manuskript-vom-verlagskontakt-bis-zum-verlagsvertrag/

).

Dagegen muss man doch was tun! Und man tut:

2008 wurde das Aktionsbündnis für faire Verlage gegründet (http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com/web/) und wies nach, dass fünf von sechs angeschriebenen DKZV aus dem „letzten Mist“ ein Buch machen wollten (http://www.goethe.de/kue/lit/mvi/de5503573.htm).

Renate Blaes fand den Mut, ihr eigenes Beispiel (http://www.renateblaes.de/blog/wunder-ueber-wunder-neues-von-der-agentur-poldner/) als Warnung für andere offenzulegen - und noch immer ist das Thema DKZV aktuell (http://karin-sebelin.de/die-methoden-unfairer-buchverlage/).

Ich bin für diese Aufklärung sehr dankbar, denn ich hätte auch nicht sofort gewusst, dass der Verlag üblicherweise neben dem vollen unternehmerischen Risiko auch die vollen Kosten trägt.

Nach einem Lektor muss ich als Autor doch selbst suchen, bevor ich mich an einen Verlag heranwagen darf – so dachte ich vor kurzer Zeit selbst auch noch.

Das Lektorat ist aber Aufgabe des Verlags!


Warum funktioniert diese Masche dann trotz aller Aufklärung immer noch?

Mir geht es nicht nur darum, mein Geschreibsel zwischen zwei Pappdeckeln zu sehen. Für mich stellt es eine Auszeichnung dar, für den Druck auserwählt worden zu sein aus der Masse derer, die – natürlich ganz im Gegensatz zu mir – alle nicht schreiben können.

Berthold Barth ist der Ansicht, es handele sich um ein Geschäft mit der Eitelkeit (http://www.eigentlich.info/?p=215) und mich hat er damit schon voll erwischt. Na diese Lektion war wenigstens gratis! :D

Es spielen jedoch noch einige andere Faktoren mit rein:

Wie viele Absagen habe ich schon kassiert und wieviele kann ich noch vertragen?

Wieviel Geduld bei der Verlagssuche kann oder will ich noch aufbringen?

Was für Verkaufschancen rechne ich mir selbst für mein Werk aus?

Es gibt aus meiner Sicht keine klare Abgrenzung zwischen Verlagen die „hui“ sind und solchen, die „pfui“ sind. Viele lassen sich wohl entweder hier oder da einsortieren, aber dazwischen sind auch jene, die erfolgsversprechende Manuskripte gerne auf eigenes Risiko verlegen, die anderen Einsendungen aber auch nicht alle ganz ablehnen wollen und deshalb dann die entsprechenden Autoren über die damit verbundenen Risiken – dass das Geld nämlich aller Wahrscheinlichkeit nach in den Sand gesetzt ist – aufklären und anbieten, es bei entsprechender Kostenbeteiligung trotzdem zu versuchen.

Hier ist es meines Erachtens nach eine subjektive Entscheidung, ein solches Angebot als „Chance“ oder „Abzocke“ zu empfinden.


Ist es schlimm, ein gutes Manuskript abzulehnen mit dem Argument, es verkaufe sich nicht?

Das tun die meisten großen Verlage. Natürlich lehnen sie auch reihenweise schlechte Manuskripte ab – wenn sie sich überhaupt die Mühe machen, Absagen zu schreiben.

Ist es schlimm, ein mittelmäßiges Manuskript abzudrucken, einfach weil man mit gutem Verkaufserfolg rechnet?

Auch das ist üblich bei den großen Verlagen und solche Bücher finden sich dann oft in den Bestseller-Listen. Der Käufer hat eine bestimmte Erwartungshaltung und die reicht, um den Kauf zu begründen. Da muss das Buch nicht gut sein.

Bücherdom glaubt, es ginge nur ums Geld (http://buch-ist-mehr.de/blogger-3-0-buecherdom-allianz-der-indie-autoren/) und man müsse nur miteinander anstatt gegeneinander arbeiten.

Wenn dem so sein sollte, dann wären Projekte wie Mygnia (http://www.mygnia.de/wiki/mygnia.de/view/Start/WebHome) die Buchwelt von morgen.

Vielleicht hat er ja recht.

2.8.12 23:12
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bonzo / Website (20.2.16 19:45)
Bring doch deine Sachen als Ebook raus.
Dem Ebook gehört die Zukunft.
Ich lese praktisch nur noch Ebooks.
Und wenn's als Ebook Erfolg hat wirds auch als Papierbuch übernommen.

Viel Glück wünscht dir –
der Bonzo


Fremde Angst / Website (20.2.16 22:26)
Hey Bonzo,

vielen Dank für den Tip!

Ehrlich gesagt habe ich auch schon eine Anthologie zusammengestellt und alles fürs eBook formatiert.
Aber zuerst versuche ich es noch über einen Verlag, ich hänge irgendwie am Druckbuch.
Als eBook lese ich nur Schmuddelkram und Gratislektüren.

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