Fremde Angst

 

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Themen
     Ankündigungen
     Autoren-Blog






Meine erste Lesung - Reise nach Innsbruck

Da war die DB (zum Normalpreis!) mal billiger als der Billigflieger. Zumal ich über Wien hätte fliegen und dort zweimal übernachten müssen, um tatsächlich einen Flug zu bekommen, der genauso teuer war wie die Bahnfahrt - die anderen waren doppelt so teuer für den einfachen Flug wie die Bahn hin und zurück.

Frühstück kostet im BordBistro nur die Hälfte gegenüber dem BordRestaurant - hier kostet sitzen also nicht das gleiche! Hätte ich das gleich erkannt, hätte ich nicht die Pilzrahmsuppe (war sehr lecker) gefrühstückt, sondern das Croissant nebst Aufstrich.

Leider funktionierte die Steckdose nicht, so dass ich mich auf zwei Stunden Arbeit am Laptop beschränken musste. Wenigstens konnte ich mir den Code meines Kommilitonen ansehen und an meinem geringfügig weiterarbeiten. Trotzdem oder vielleicht deswegen kam ich pünktlich (!) in Innsbruck am Hauptbahnhof an. Neun Uhr morgens bis halb sechs abends - das ist ein voller Arbeitstag, den ich im Zug verbracht habe.

In Innsbruck machte ich erstmal eine kleine Stadtrundfahrt (wir ham ja Zeit, gell) mit dem Taxi zum Volkshaus Innsbruck (was der Taxifahrer nicht gleich fand, da es in Innsbruck nur eine Jugendherberge gibt, obschon sich das Volkshaus ebenso bezeichnet) und mit dem Bus wieder zurück. Dann war ich aber mehr als zeitig vor Ort am Statturm Nähe Goldenes Dachl und noch viel näher am Gasthof WEISSES KREUZ.

Ich bewunderte eine verschlossene Gittertüre, die zum Alter des Gemäuers gut passte. Als ich mich etwas unschlüssig umschaute, entdeckte ich gleich zwei Leidensgenossen, die auch lesen mussten, und kondulierte brav. Wir hatten nur wenig Gelegenheit, uns gegenseitig zu benitleiden, denn keine Zigarettenlänge später kam der Veranstalter zur feierlichen Türeneröffnung herunter. 

Der Stadtturm Innsbruck ist ein sehr altes Gebäude und ich war froh, dass wir nur in den Bürgersaal im 2. Stock hochkraxeln mussten und nicht bis zur Aussichtsplattform. Der Raum war wirklich sehr edel eingerichtet (Rauchen verbot sich hier von selbst), so als ob man hier nur Smoking oder Abendkleid tragen dürfe und ich fühlte mich in meiner Garderobe (teenielike: Jeans, T-Shirt, Sweatshirt, Lederjacke) etwas fehl am Platze. Da alle Vor-Lesenden aber nur im statistischen Mittel "eher festlich" gekleidet waren, war es nicht ganz so schlimm.  Für uns war in der ersten Reihe reh-serviert. emotion

Als ich erzählte, dass ich erst am Vortag geheiratet und mich die Nacht über mit meiner Schwägerin unterhalten hatte, wurde ich pormpt gefragt, wo denn meine Frau sei.... Wir hatten noch über eine Stunde Zeit, uns gegenseitig mit Lampenfieber anzustecken, bis es dann tatsächlich losging.

Der Moderator Daniel Suckert führte durchs Programm und stieg fleissig aufs Rednerpult herauf und wieder hinunter, manchmal etwas übereifrig, und es erinnerte mich zuweilen an TreppStep (man kennt das ja, Aerobic, wo man auf ein Brettl steigt, auf und ab). Musik gabs auch immer wieder,  von Lukas Spanblöchl an der Trompete. Da ich die Reihenfolge der Auftritte nicht auswendig gelernt hatte, bekam ich schon zweimal zu früh Herzklopfen. Gut, dass ich mich an meiner Wasserflasche festhalten konnte!

Als es dann soweit war, nestelte ich eine gefühlte Ewigkeit mit dem Text herum, den ich mir zusammengefaltet aus der Hosentasche gezogen hatte. Um die für mich unerträgliche Spannung zu lockern, fragte ich "Wer von Ihnen ist freiwillig hier?", sah aber niemanden sich melden. Ich war ja mit dem Text entpacken abgelenkt. Mein Vortrag war wohl ok, nur beim letzten Satz sei es mit mir durchgegangen. Das war wohl einerseits der Endspurt, andererseits hatte ich die Anmerkung am Ende nicht vorlesen geübt. Das merke ich mir, falls ich nochmal was vorlesen muss.

Offizieller Rückblick auf die Veranstaltung mit Gruppenfoto hier: COGNAC & biskotten

Nach dem offiziellen Teil waren wir noch gemeinsam etwas essen. Für mich gabs dort Hirschragout mit Spatzln, da ich das Fohlen (Österreicher verzehren mitunter Seltsames...) verschonen wollte. Ich fragte extra nach, ob mit Fohlen tatsächlich ein Pferdebaby gemeint sei, was mir bestätigt wurde. Schon merkwürdig, bei einem Bambi hätte ich keine Hemmungen gehabt.

Wie einst Deutschland in Ost und West war dieses Restaurant in Raucher und Nichtraucher getrennt, durch eine Glasscheibe. Ich entfleuchte also an die Bar (wo ich eigentlich nur den Aschenbecher benutzen wollte, aber angesprochen wurde) und liess mich dort feiern. Dazu ist der Pokal sehr vorteilhaft gewesen!  

Michi, Jakob und ich lasen an der Bar zu dritt meine Geschichte mit verteilten Rollen. Den Text hatte ich mir farbig markiert - grün für den Otto, rot für die direkte Rede der Nebenrollen und gelb für den Erzähler - Michi las grün, ich rot und Jakob meinte "Ich bin gelb!", was Lukas mit "Du bist nicht gelb, Du bist blau!" kommentierte und damit gar nicht so falsch lag. Das war vielleicht eine Gaudi! emotion

Mitternacht war Sperrstunde, also zogen die verbliebenen Autoren und ich weiter in eine diskolaute Kneipe an der Innbrücke, die zum Gasthof Innbrücke gehörte, der auch kein Zimmer mehr frei hatte. Um zwei war dann aber auch dort Zapfenstreich, so dass wir beschlossen, nun die restliche Nacht doch noch aufs Schlafen zu verwenden. Im Hotel Weisses Kreuz fand ich sogar noch ein Zimmer mitten in der Nacht.

Am nächsten Morgen sah ich dann auch das Goldene Dachl mit der Nordkette dahinter, was bei Sonnenschein und blauem Himmel noch viel beeindruckender aussah als hier:  Foto

Die Rückfahrt verbrachte ich teils schlafend (Innsbruck bis München), teils ein Buch über Moderne Betriebssysteme lesend (München bis Hannover), weil ich den etwas grantig wirkenden neben der Steckdose sitzenden Herrn nicht mit meiner Stromversorgung behelligen wollte. Danach fummelte ich noch halbherzig am meinem Code herum, bis mich Erschöpfung und Schlaf übermannten.

Am Bahnhof holte mich mein frisch gebackener Ehemann ab und ich war selig, wieder daheim zu sein.

16.11.10 12:40
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Irmhild (17.11.10 12:40)
Hey super!

Ich habe Dich auf dem Foto gefunden und bin riesig stolz auf Dich.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung